Wilhelm Erich Fritz Schmid
Geschäftsführer: 1949 - 1956
Wilhelm Erich Fritz Schmid
Horst W. M. Schultz
Geschäftsführer: 1956 - 1990
Horst W. M. Schultz
Volker Saupe
Geschäftsführer: 1990 - 2015
Volker Saupe

Wilhelm E.F. Schmid GmbH

Als Wilhelm Erich Fritz Schmid am 1. September 1949 in Husum sein Schiffsmaklerbüro eröffnete, gab es schon einen Konkurrenten am Ort. Der hieß Jacob Jessen, war Hotelier und Besitzer des „Friesenkrogs“ an der Kleikuhle und verkörperte insofern sogar die uralte Tradition der Schiffahrtsbörse. Den Beruf des Schiffsmaklers kennt man nämlich erst seit etwa 200 Jahren. Vorher wurden die Seefrachten üblicherweise in Hotels oder Gastwirtschaften im Hafenbereich angeboten und gehandelt. Dorthin kamen Schiffer und Kaufleute und wenn sie nicht direkt miteinander verhandeln konnten, übernahm oft der Wirt die Rolle des ehrlichen Mittlers, also des Maklers. 

In der Hafenstadt Husum führte sich Wilhelm E.F. Schmid als Schiffsmakler gut ein. Die Währungsreform vom Juni 1948 hatte die Voraussetzungen für eine Gesundung des Wirtschaftslebens geschaffen. In ihrer Folge wuchs auch das Seefrachtgeschäft stetig an. 

Am 1. Mai 1950 übernahm Schmid das Maklergeschäft von Jacob Jessen und war damit einziger Schiffsmakler am Ort. Am 1. Januar 1955 konnte er seinem Unternehmen einen weiteren, artverwandten Betrieb hinzufügen, nämlich die Seespedition Volquard Koch. Diese alteingesessene Husumer Firma bediente die nordfriesischen Inseln und Halligen. Ihr Kontor hatte sie auf dem Nordufer des Außenhafens. Hierher verlegte Wilhelm E.F. Schmid den Sitz seines Gesamtunternehmens, wo er sich noch heute befindet. Seit Ende der 30er Jahre hatte sich auch das gesamte Schifffahrtsgeschäft mehr und mehr in den Außenhafen verlagert. 

Im Juni 1956 verstarb Wilhelm E.F. Schmid. Das Geschäft ging auf seinen Schwiegersohn Horst W. M. Schultz über. Mit dem Umschlagsvolumen des Husumer Hafens wuchsen in der Folgezeit auch Maklergeschäft und Seespedition beständig. Ende der 50er Jahre wurde der Schifffahrtsbetrieb von und nach Husum noch mit Schiffen abgewickelt, die höchstens 100 bis 150 Ladetonnen hatten. Das Kontor der Firma Wilhelm E.F. Schmid bereederte einen festen Bestand von 10 Seefahrzeugen mit einer Gesamttragfähigkeit von rund 1.000 Tonnen. Weitere 25 Schiffe befrachtete es in Zusammenarbeit mit auswärtigen Maklerbüros. 

Die Frachter waren vorwiegend zwischen Husum, Hamburg, Bremen und den Nordseeinseln unterwegs. Die Inseln wurden vor allem mit Baustoffen beliefert, dafür gingen Agrarprodukte in die Hansestädte. Zwei Frachter brachten zweimal wöchentlich von Uetersen fertige Futtermittel zur Raiffeisen-Hauptgenossenschaft nach Husum. 

Eine gewisse Bedeutung hatte seit den fünfziger Jahren auch die Abfertigung (Klarierung) der Schiffe für die Husumer Holz-  und Getreidehändler. Das Schiffsmaklerbüro Schmid trat als Zolldeklarant und vereidigter Ladungskontrolleur auf und versicherte darüber hinaus die ausgehende Fracht. 

Als 1962 die Sturmflut ins Land zu drängen versuchte und die Deiche vielerorts brechen lies, boomte das Geschäft mit der Küstensicherung. Als der Generalplan Westküste stand, wurden die Baumaterialen, in diesem Fall schwere Granitsteine von Bornholm mit Schiffen direkt an die Westküste befördert. In der Nähe von Tönning wurde gegen Ende der sechziger Jahre das größte deutsche Küstenschutzbauwerk - das Eidersperrwerk errichtet. Dies diente, neben dem Küstenschutz, der Hinterlandentwässerung durch die Eider. Hierfür wurden viele Baumaterialen für die Errichtung und Granitsteine zur Befestigung per Schiff zugefahren. Riesige Mengen von Kies aus Dänemark wurden per Schiff geholt. Auch der Husumer Hafen wurde ausgebaut und die Südseite befestigt. 

Am 15. November 1969 erweiterte Horst W. M. Schultz sein Unternehmen um den Mineralölhandel. Er übernahm die Vertretung der Esso AG für das Gebiet der damaligen Landkreise Husum und Eiderstedt. Die Esso-Vertretung befindet sich gegenüber dem Maklerbüro auf der Südseite des Außenhafens (Rödemishallig). Sie vertreibt Heizöl, Dieselkraftstoff, Benzin und Motoröle und unterhält eine eigene Bunkerabteilung für die Belieferung von Seeschiffen und Fischkuttern mit Treibstoff. Dieser wesentliche Bereich des Gesamtunternehmens wird von Frau Hildegard Schultz, der Tochter des Firmengründers Wilhelm E.F. Schmid,  verantwortlich geleitet. 

Die Einführung der Roll-on-Roll-off-Fähren nach Pellworm, Amrum und Föhr brachte den Seefrachtverkehr zwischen Husum und den Insel und Halligen Anfang der siebziger Jahre völlig zum Erliegen. 

Für den Husumer Hafen erwiesen sich die Verlegung der Anlegestelle der Pellwormer Fähre nach Nordstrand/Strucklahungshörn und der Ausbau des Dagebüller Hafens als besonders schwerwiegend. Der Hafenumschlag, der früher rund 50 Prozent des Umsatzes der Firma Wilhelm E.F. Schmid ausgemacht hatte, ging auf weniger als 1 Prozent zurück. 

Trotzdem nahm das Geschäftsvolumen insgesamt beträchtlich zu. An die Stelle des Güteraustausches mit den Inseln und Halligen trat der Frachtverkehr von und nach allen deutschen Häfen der Nord- u. Ostsee und den Binnenhäfen bis Braunschweig und Duisburg. Im Lauf der Jahre dehnte sich das Fahrtgebiet auf das gesamte westeuropäische Ausland aus. Verhandelt werden seit den siebziger und achtziger Jahren vor allem die Befrachtung mit Getreide und Futtermitteln, Dünger, Holz, Stückgut. Dazu kamen in dieser Zeit besondere Produkte wie beispielsweise Chinakleie für die Porzellanmanufaktur. 

Zudem wurden auch die vom Maklerbüro Schmid betreuten Frachtschiffe immer größer. Noch in den sechziger Jahren war es eine kleine Sensation, wenn ein 500 Tonnen-Frachter nach Husum kam. In den siebziger und achtziger Jahren bereedert das Husumer Büro 14 Schiffe mit insgesamt 7.000 Tonnen Ladefähigkeit. Durch die Holztransporte von Schweden und Finnland nach Husum, Friedrichstadt und Tönning wuchs die Nachfrage nach größeren Schiffen weiter. An zwei Motorschiffen, den auf der Husumer Schiffswerft gebauten 1.000-Tonnen-Frachtern MS“TORA“ im Jahr 1981 und MS“UTE“ im Jahr 1984, ist Firma Schmid beteiligt gewesen. 

Im nordfriesischen Wattenmeer und für die Verbindung nach Helgoland engagiert sich das Büro Schmid fortan auch wieder aktiv, und zwar als Agent für die hier verkehrenden Ausflugsschiffe. Der Fahrkartenverkauf ist eine lohnende Einnahmequelle und besonders Fahrten zu den Seehundsbänken und Helgolandtouren erfreuen sich großer Beliebtheit. 

Die Nachfrage nach Tonnage stieg weiterhin so stark, dass es Anfang der achtziger Jahre erstmals zur Zusammenarbeit mit der Karl Meyer AG aus Wischhafen gekommen ist. Bis dato bestanden die Reedereien meist traditionell aus Kapitänsreedern, welche ihr Schiff selbst lenkten und bewirtschafteten. Karl Meyer Firmengründer der Karl Meyer AG, welcher gegen Ende der 50er Jahre in die Abfallentsorgung eingestiegen war, legte den Grundstein für das heutige Entsorgungs- u. Recyclingunternehmen. 

Als der Wischhafener Geschäftsmann 1983 mit Glastransporten von Husum die Aufmerksamkeit der Firma Wilhelm E.F. Schmid auf sich zog, konnte das Maklerbüro Schmid die „Meyer-Schiffe“ für Getreide- und Futtermitteltransporte entlang der Küste gewinnen. Das erste Schiff hatte eine Tragfähigkeit von 200 Tonnen. Die Ära der Kapitänsreeder neigte sich langsam dem Ende zu und die Großreedereien nahmen Einzug. So baute auch Meyer seine Flotte stetig aus, kleinere, ältere Schiffe wurden durch größere, modernere Schiffe ersetzt. So kam es, dass Makler Schmid immer weniger Reeder und dafür immer mehr Schiffe der Meyer Reederei beschäftigte. 

Das Unternehmen Wilhelm E.F. Schmid ist bis zum 31.12.1989 eine Einzelfirma. Am 1. Januar 1990 wurde die Firma in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt. Als geschäftsführender Gesellschafter führte Horst W. M. Schultz das Geschäft bis zu seinem Tod am 7. Juni 1990 fort. Daraufhin ging die Geschäftsführung an Volker Saupe, welcher bereits von 1961 bis 1964  seine Lehre im Maklerbüro Schmid absolviert hatte und fortan Bestandteil der Firma gewesen ist. Volker Saupe übernimmt nach dem Tod von H.W. Schultz in den darauffolgenden Jahren die Gesellschaftsanteile von Hildegard Schultz, welche sich nach dem Tod ihres Mannes aus dem Geschäft zurück zog. Dies hatte zur Folge, dass die Esso-Vertretung 1991 veräußert wurde. 

Volker Saupe konzentrierte sich auf das Kerngeschäft des Unternehmens und baute das Seefrachtgeschäft in den frühen neunziger Jahren, mit dem Fall der Mauer weiter aus. In Mecklenburg konnte das Husumer Unternehmen die Küstensicherungsmaßnahmen von Boltenhagen bis zur Insel Usedom mit Granitsteinen von Bornholm und Südschweden versorgen. 

Dies führte Volker Saupe wiederum nach Rostock, wo er 1991 mit einem großen Düngermittelproduzenten, heute Teil des weltweit führenden Anbieters für stickstoffbasierenden Mineraldünger und Industrieprodukte, der Firma YARA ins Geschäft kam. So begannen die Düngemitteltransporte von Rostock nach ganz Nordeuropa. 

Die Holztransporte per Frachtschiff, von Finnland und Schweden nach Norddeutschland, nahm Mitte der neunziger Jahre ein Ende, da die Fährverbindungen in der Ostsee immer weiter ausgebaut worden sind und die Holzlieferungen auf diesem Weg bedarfsgerecht per LKW geliefert werden konnten. 

Aber auch im Steingeschäft ging es weiter voran, so wurden neben den Küstensicherungsmaßnahmen die Böschungen des Nord-Ostsee Kanals mit Granitsteinen befestigt. Ein weiteres Großprojekt stellte dann in den späten neunziger Jahren der Bau des Warnow-Tunnels zur Querung der Warnow in Rostock da, welcher u.a. durch 20.000 Tonnen NA-Wasserbausteinen am Grund gehalten wird. 

Im Jahr 2003 wird der seit 1979 im Unternehmen tätige Volker Zander zum Prokuristen ernannt. Zander, welcher die Firma in den achtziger und neunziger Jahren zusammen mit Horst W. M. Schultz und Volker Saupe ausgebaut hatte, wird dann am 01. April 2008 schließlich, neben Volker Saupe zum Geschäftsführer der GmbH und führt das erfolgreiche Unternehmen gemeinsam mit ihm fort. Am 31. Dezember 2014 verabschiedet sich Volker Zander in den wohlverdienten Ruhestand. 

Die enge Zusammenarbeit zwischen Firma Karl Meyer und Wilhelm E.F. Schmid führte dazu, dass sich die Karl Meyer AG am 01. Januar 2014 als Gesellschafter an der Firma Wilhelm E.F. Schmid GmbH beteiligt und Dr. Frank Schernikau als weiterer Geschäftsführer eingesetzt wird. 

Neben der steigenden Anfrage nach Kapazitäten für Düngermitteltransporte nimmt im Laufe der Jahre auch der Transport von Futtermitteln wieder zu und ein Warenstrom aus den baltischen Staaten an die Nordseeküste entsteht. Neben Rapsschrot, Sojaschrot und Palmkernschrot werden auch Ladungen wie Sonnenblumenschrot, Weizenkleie und Zuckerrübenschnitzel befördert. Dies führte erneut zum Wachstum der von Schmid betreuten Flotten. Hiervon profitierte nach Aufgabe des letzten Kapitänsreeders unter Schmid-Flagge, Jens Boysen mit seinem Schiff MS“STEENBORG“ im Jahr 2012, vor allem die Meyer-Flotte, welche heute mit Schiffen, von bis zu 3.000 Tonnen Tragfähigkeit, ein Gesamtvolumen von ca. 30.000 Tonnen bewegen können.

Am 01. Januar 2015 wird neben Volker Saupe und Dr. Frank Schernikau ein weiterer Geschäftsführer bestellt, Nicolay Wüst, welcher bereits seit zwei Jahren als Prokurist im Unternehmen fungiert und hauptsächlich für die Abteilung Befrachtung verantwortlich ist. Nicolay Wüst hatte seine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann von 2004 bis 2007 bei Firma Schmid absolviert. 

Am 31. Dezember 2015 hat Volker Saupe seinen Posten als Geschäftsführer im Unternehmen aufgegeben, er bleibt weiter als Gesellschafter an der Firma Wilhelm E.F. Schmid GmbH beteiligt. 

Den Posten des Geschäftsführers übernimmt, neben Dr. Frank Schernikau und Nicolay Wüst, der angestellte Prokurist Tom Brodersen, hauptverantwortlich für den Geschäftsbereich Klarierung, welcher seit 2007 im Unternehmen tätig ist. Tom Brodersen absolvierte seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei ATR Landhandel, wo er bereits in der Schifffahrtssparte tätig gewesen ist.